Drogentote in NRW: Die Zahlen steigen

Ein Heroinkonsument setzt sich in einem Park einen "Schuss".
Ein Heroinkonsument setzt sich einen „Schuss“. (Foto: Achim Halfmann / GFH)

Expertin: „Wir sind mittendrin in der Crack-Welle“. Mehr aufsuchende Arbeit sei gefordert.

Düsseldorf (2mind) – 441 Menschen starben im Jahr 2024 durch Drogenmissbrauch – 11 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das zeigt eine Auswertung der Todesbescheinigungen, die das statistische Landesamt NRW Ende Juni vorlegte. Mit 50 Jahren war das durchschnittliche Sterbealter infolge von Drogenmissbrauch um 30 Jahre geringer als das aller Gestorbenen. Einen erheblichen Anteil an den Sterbefällen hatte der multiple Drogengebrauch. Und 13% der Verstorbenen beendeten ihr Leben laut Todesbescheinigung absichtlich mithilfe von Drogen.

Wenig überrascht von den Zahlen zeigt sich die Suchtexpertin Tamara Hanemann, die bei der Suchthilfe Wuppertal das Ambulant betreute Wohnen und das Café Intakt leitet. „Der Mehrfachkonsum nimmt zu“, hat auch Hanemann beobachtet. Und: „Wir sind mittendrin in der Crackwelle.“ Die rauchbare, chemisch aufbereitete Form von Kokain wirkt extrem schnell, besitzt ein hohes Suchtpotential und führt zu Angst- und Wahnzuständen sowie zu sozialer Verelendung, etwa durch Wohnungslosigkeit. Hanemann zu den Crackkonsumenten: „Die fallen aus jeglichen Hilfesystemen raus.“

Auf die aktuellen Entwicklungen in der Drogenszene sei das Hilfesystem nicht ausgelegt. Hanemann zufolge braucht es deutlich mehr niedrigschwellige Angebote und Behörden – etwa Jobcenter – die auch Sprechstunden vor Ort in den Kontaktstellen für drogenkonsumierende Menschen anböten. „Wir sind zu bürokratisch in Deutschland“, so die Expertin.

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