Neuerscheinung: Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027

Schwerpunkt der offen lizenzierten Ausgabe ist die „Global Citizenship Education“.

Bielefeld (2mind) – Das „Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027“ positioniert sich an der Schnittstelle von Theorie und Praxis und will eine alternative Erzählung zum herrschenden Bedrohungsnarrativ über Migration bieten. Der Schwerpunkt „Global Citizenship Education“ (GCED) wird verstanden als Bildung für ein Weltbürger-Bewusstsein, das über nationalstaatliche Grenzen hinausgeht und eine planetare Verantwortung sowie ein neues Verständnis von Zugehörigkeit und Teilhabe in Migrationsgesellschaften fördert.

Die einzelnen Kapitel:

  • Hans Karl Peterlini & Jasmin Donlic: „Global Citizenship Education: An alternative narrative on migration – eine andere Erzählung für Migration“
    Die Herausgeber führen in die Thematik ein und erläutern, wie GCED einen Perspektivenwechsel ermöglicht, der Migration als integralen Bestandteil einer gemeinsamen „Heimat-Erde“ begreift. Sie betonen den Anspruch des Jahrbuchs, durch aktuelle und exemplarische Zugänge Impulse für Wissenschaft und Praxis zu geben.
  • Caroline Schmitt: „Global Citizenship Education in Times of Disasters. Communities as Spaces of ›Transformative Literacy‹“
    Der Beitrag untersucht am Beispiel syrischer Freiwilliger im Ahrtal, wie postmigrantische Gemeinschaften durch Solidarität in Krisenzeiten neue Formen globaler Zugehörigkeit schaffen. Geflüchtete werden hierbei als Akteure einer transformativen Bildung sichtbar, die aktiv gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.
  • Hans Karl Peterlini: „Bildung für das nackte Leben. Global Citizenship Education als Antwort auf Verrohung und Verhetzung in den westlichen Migrationsgesellschaften“
    Peterlini reflektiert kritisch über die inhumanen Bedingungen an den europäischen Außengrenzen und den erstarkenden Rechtspopulismus. Unter Rückgriff auf Giorgio Agambens Konzept des „nackten Lebens“ zeigt er auf, wie GCED als pädagogische Antwort auf die Entwertung des Menschen dienen kann.
  • Nuzha Allassad Alhuzail: „»I Am an Immigrant, Not a Refugee« Palestinian Migrant Workers, Global Citizenship, and the Politics of Belonging“
    Diese Studie beleuchtet die Erfahrungen palästinensischer Arbeitsmigranten und deren bewusste Abgrenzung vom Flüchtlingsbegriff, um eigene Agency und Würde zu betonen. GCED wird hier als Instrument diskutiert, um das Wohlbefinden und die Selbstbestimmung dieser Gruppe in Konfliktkontexten zu stärken.
  • Lukas Baumann: „Negative affektive Dynamiken in der Unterbringung von Geflüchteten. Forschungsperspektiven und Anstöße für eine an Fluchtmigration interessierte Global Citizenship Education“
    Baumann analysiert, wie Gefühle wie Ekel und Misstrauen in Unterkünften zur Stabilisierung sozialer Hierarchien und zum „Othering“ beitragen. Er plädiert dafür, diese affektiven Dynamiken in der GCED kritisch zu reflektieren, um koloniale Kontinuitäten zu überwinden.
  • Maria Benedetta Cabitza: „GCED and the Italian Migration Paradox. Bridging Macro, Meso, and Micro Integration Challenges“
    Am Beispiel Italiens werden die Spannungen zwischen restriktiver Politik und lokalen Integrationspraktiken untersucht. Cabitza schlägt GCED als Rahmen vor, um Brücken zwischen Aufnahmegesellschaften und Migrant*innen zu bauen und langfristige Inklusion zu fördern.
  • Irma Eloff: „Vignettes of wellbeing, sustainability and migration. Diversifying the narratives in global citizenship education“
    Die Studie im südafrikanischen Kontext verbindet Wohlbefinden, Nachhaltigkeit und Migration. Mittels Vignettenforschung wird gezeigt, dass internationale Studierende nicht bloß Hilfeempfänger sind, sondern ihre Lebenswege aktiv und gestalterisch im Sinne einer globalen Bürgerschaft prägen.
  • Phillip D. Th. Knobloch: „Indigenous Education und Global Citizenship Education. Decolonial Education Concepts for Migration Societies“
    Knobloch verknüpft dekoloniale Theorien aus Lateinamerika mit indigenen Bildungsgeschichten, etwa der Sámi in Nordeuropa. Er entwickelt daraus Konzepte für eine dekoloniale GCED, die Machtasymmetrien kritisch hinterfragt und indigene Perspektiven in Migrationsgesellschaften würdigt.
  • Daniela Lehner: „Learning from Gloria Anzaldúa. Weaving Pluriversal Perspectives in Global Citizenship Education“
    Basierend auf Anzaldúas Konzept „Nepantla“ (Zwischenraum) plädiert Lehner für pluriversale Pädagogiken in der GCED. Ziel ist es, universelle westliche Sichtweisen zu verlernen, multiple Wissenssysteme anzuerkennen und Bildung als Raum für koexistierende Weltsichten zu gestalten.
  • Meryem Aydogan & Caroline Bossong: „Facing Methodological Nationalism. The significance of multilingualism in qualitative interviews“
    Die Autorinnen diskutieren, wie der bewusste Einbezug von Mehrsprachigkeit in der Forschung helfen kann, den „methodologischen Nationalismus“ zu überwinden. Sie zeigen auf, dass multilingualen Forschungsansätzen eine zentrale Rolle zukommt, um globalere Perspektiven auf GCED zu eröffnen.
  • Rosemarie Schöffmann: „Transformatives Lernen durch GCED als Beitrag zu einer Bildung für alle? Erfahrungen aus einem SüdnachNord-Austausch“
    Dieser Beitrag reflektiert dekoloniale Ansätze am Beispiel eines Austauschprogramms mit Ghana. Es wird gezeigt, wie intersektionale und postkoloniale Perspektiven Räume für transformatives Lernen und ein konviviales Zusammenleben auf Augenhöhe eröffnen können.

Peterlini, Hans Karl, & Donlic, Jasmin (Hg.). (2026). Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027: Schwerpunkt »Global Citizenship Education«. Bielefeld: transcript Verlag (CC BY 4.0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert