#PingTok oder #TripTok: Drogendeals per Hashtag

Von einer jungen Frau wird ein Video aufgenommen.
Foto: Amanda Vick auf Unsplash

jugendschutz.net nimmt die Bedeutung von TikTok für den Drogenhandel unter die Lupe.

Mainz (2mind) – Drogeninhalte finden auf TikTok unter Hashtags wie #PingTok oder #TripTok eine weite Verbreitung. Ein aktueller Bericht von jugendschutz.net verdeutlicht, wie dort der Konsum illegaler Substanz wie Marihuana, Ecstasy, Ketamin, Speed oder auch Kokain durch ästhetische Inszenierungen und humorvolle Formate verharmlost oder glorifiziert wird, was insbesondere auf Jugendliche eine starke Anziehungskraft ausübt. Über die Kommentarspalten und spezielle Codewörter fungiert die Plattform zudem als Marktplatz für den Drogenhandel, wobei Dealer gezielt junge Zielgruppen ansprechen. Der TikTok-Algorithmus verstärkt diese Gefahren, indem er interessierten Nutzern fortlaufend ähnliche Beiträge zuspielt und so eine gefährliche Normalisierung des Konsums fördert.

Drogen als „normaler Teil des Alltags“

Emotional aufgeladene Inszenierungen, Ästhetisierung und Verharmlosung geschehen auf verschiedene Weise:

  • Ästhetische Inszenierung des Rausches: Drogenkonsum wird häufig mit bunten Farben, Lichtern und Party-Atmosphäre verknüpft. Der Rausch wird dabei als Ausdruck von Freiheit, Gemeinschaft, Selbstfindung oder als fester Bestandteil der Partykultur dargestellt. Sogar negative körperliche Begleiterscheinungen wie geweitete Pupillen, Zittern, Kontrollverlust oder Erbrechen werden ästhetisch in Szene gesetzt und so romantisiert.
  • Humorvolle und triviale Kontexte: Manche Videos stellen Drogentrips in einem humoristischen oder trivialisierenden Rahmen dar. Der Konsum wird als spaßiges Mittel zum Feiern oder als unbeschwerte Flucht aus dem Alltag präsentiert, was auf Jugendliche faszinierend wirken kann.
  • Nutzung von Trends und Popkultur: User unterlegen ihre Videos mit szenetypischen Sounds, Memes oder Songtexten von Rappern, die Substanzen wie Ketamin als Partydroge feiern.
  • Verwendung von Codes und Verharmlosung durch Sprache: Unter Hashtags wie #PingTok, #TripTok, #SniffTok oder #Emma teilen Nutzer scheinbar beiläufig ihre Erfahrungen. Dabei werden gesundheitsschädliche Substanzen oft mit harmlos wirkenden Emojis codiert, wie etwa ein Einhorn für Ketamin, ein Puzzleteil für LSD oder ein Fliegenpilz für psychoaktive Pilze.
  • Ausblendung von Risiken: In derartigen Inhalten werden Gefahren wie Suchtpotential, psychische Folgen (z.B. Psychosen, Depressionen), körperliche Schäden oder Unfälle selten thematisiert.
  • Normalisierung durch den Algorithmus: Durch die algorithmische Verstärkung entstehen für User sogenannte „Echokammern“, in denen Drogeninhalte ständig präsent sind. Dies erzeugt den Eindruck, Drogenkonsum sei weit verbreitet und gesellschaftlich normal („Das machen doch alle“), was die Hemmschwelle für den Erstkonsum senken kann.

Gegenmaßnahmen bleiben lückenhaft

TikTok reagiert auf die Verbreitung von Drogeninhalten, jedoch inkonsistent und teilweise unzureichend, so der Bericht von jugendschutz.net. Im Einzelnen reagiert die Plattform wie folgt:

  • Richtlinien und Meldesystem: Offiziell verbietet TikTok in seinen Richtlinien Inhalte, die den Konsum oder Handel mit illegalen Drogen fördern. Zudem gibt es eine Meldefunktion, über die Nutzer solche Inhalte melden können.
  • Sperrung von Hashtags: Um die Auffindbarkeit von Drogeninhalten einzuschränken, hat TikTok vereinzelt szenetypische Hashtags wie beispielsweise #SpecialK oder #TripTok gesperrt.
  • Löschung von Inhalten: Teilweise wird TikTok erst dann aktiv, wenn offenkundig Drogen zum Verkauf angeboten werden. Dabei kommt es vor, dass lediglich die Kommentare gelöscht werden, die einen Handel einleiten, während das ursprüngliche Video online bleibt. Dies führt dazu, dass die Kommentarspalten oft kurz darauf erneut für den Drogenhandel genutzt werden.
  • Unterschiedliche Reaktionen bei Meldungen: Ein Test von jugendschutz.net zeigte, dass TikTok auf Meldungen jugendgefährdender Inhalte durch normale User nur in 18 Prozent der Fälle reagierte. Allerdings wurden 89 Prozent der Inhalte entfernt, wenn sie offiziell durch jugendschutz.net gemeldet wurden.
  • Probleme bei der Durchsetzung: Die Maßnahmen von TikTok lassen sich leicht umgehen, so der Bericht. Nutzer wandeln Hashtags gezielt ab, um automatische Filter zu vermeiden, und nutzen Zweit- oder Drittaccounts als Backups für den Fall einer Sperrung.

Da die bisherigen Moderationsmaßnahmen des Anbieters lückenhaft bleiben, fordert jugendschutz.net strengere Altersprüfungen, effektivere Meldesysteme und eine stärkere Sichtbarkeit von Präventionsangeboten. Letztlich unterstreicht der Bericht die Notwendigkeit eines besseren Jugendschutzes, um Kinder vor gesundheitlichen Risiken in digitalen Räumen zu bewahren.

Der „Report: #PingTok, #TripTok & Co“ > als PDF zum Download

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