
Der Verfassungsschutzbericht 2025 für Brandenburg verweist auf das Radikalisierungspotential von Künstlicher Intelligenz.
Potsdam (2mind) – Extremisten radikalisieren Jugendliche gezielt über Social Media und bilden gewaltbereite junge Netzwerke: Das beschreibt der heute vorgestellte Verfassungsschutzbericht 2025 des Bundeslandes Brandenburg. „Geködert und turboradikalisiert wird die Jugend über soziale Medien von gewaltorientierten Neonationalsozialisten, Islamisten und Linksextremisten“, so Brandenburgs Innenminister Jan Redmann. Der CDU-Minister fordert Zugangsbeschränkungen für Jugendliche zu Social Media und erweiterte Befugnisse für den Verfassungsschutz.
Im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine verzeichnet der Verfassungsschutz deutlich intensivierte Desinformationskampagnen sowie Spionageaktivitäten. Mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) sollten gesellschaftliche Spaltungslinien vertieft werden, so der Verfassungsschutz in einer Pressemitteilung.
Bei der Bewertung von Social Media-Inhalten rät der Bericht, drei Schritte zu unterscheiden:
- die Erstellung oder Veränderung von Inhalten
- das Platzieren (Posten) der Inhalte
- die Reichweitensteigerung
„KI kann in allen drei Schritten helfen“, heißt es im Verfassungsschutzbericht. „Die Wirkung entsteht dabei häufig nicht durch eine einzelne, perfekt gemachte Fälschung, sondern durch Tempo, Menge und der gezielten inhaltlichen Adressierung bestehender gesellschaftlicher Spannungsfelder.“ Die Einflussakteure zielten dabei nicht nur auf Menschen, sondern auch auf die Informationsgrundlagen von KI-Systemen, indem etwa pro-russische Akteure große Mengen an Inhalten ins Netz stellten. „So kann Propaganda indirekt wirken – nicht als klar erkennbare Botschaft, sondern als scheinbar neutrale Zusammenfassung einer KI“, heißt es im Verfassungsschutzbericht. „Diese subtile Manipulation erhöht die Detektionsschwelle und die eindeutige Zuordnung wird erheblich erschwert.“
Mithilfe von KI könnten Inhalte „schneller hergestellt, leichter angepasst, regional eingefärbt sowie über künstliche Profile glaubwürdig verpackt werden“. Der Bericht fasst zusammen: „KI hat Desinformation nicht erfunden – aber sie ist ihr effizientester Multiplikator“.
Und Manipulation zeigt Wirkung: Das Gesamtpotential aller Extremisten in Brandenburg sei im Jahr 2025 um 2.035 Personen auf 7.540 Personen gestiegen, so der Bericht. Drei extremistische Phänomenbereiche verzeichneten den höchsten Stand seit ihrer Erfassung durch den Verfassungsschutz: Rechtsextremismus mit 5.890 Personen (+2.240 Personen), Linksextremismus mit 660 Personen (+110 Personen) und Islamismus mit 260 Personen (+35 Personen).
Der Verfassungsschutzbericht Brandenburg 2025 > als PDF zum Download
