Bindung als Schlüssel: Christliche Suchthilfe setzt auf Beziehungen und Vertrauen

Foto: Dieter Kemmann auf der ACL-Konferenz am 6. März (Achim Halfmann / 2mind)

Pracht an der Sieg (2mind) – Abstinenz-, Bindungs- und Christusorientierung sind Merkmale der Suchthilfeeinrichtungen innerhalb der „Arbeitsgemeinschaft christlicher Lebenshilfen“ (ACL). Mit einem wissenschaftlich fundierten Konzept will der Arbeitskreis „Bindung und Sucht“ dazu in den fachlichen Austausch mit Hochschulen treten. „Bindungsgestörte Menschen finden sich häufig in unseren Therapien“, so Dietmar Kemmann, Leitender Psychologe des Diakonie-Krankenhauses Elbingerode (Harz), bei der Vorstellung des Konzeptes auf der ACL-Konferenz am 6. März in Pracht an der Sieg.

„Wir sind auf Beziehungen angelegt und brauchen enge Bindungen“, sagte Kemmann. „Wir suchen nach Beziehungen, die uns helfen, uns sicher und frei zu fühlen.“ Sicher gebundene Menschen könnten sich auf ihre Gedanken und Gefühle verlassen. Der Psychologe weiter: „Suchtmittel sind eine Scheinlösung“, sie seien ein schneller Weg zu guten Gefühlen.

In einer bindungsorientierten Behandlung sei es wichtig, als Team zusammenzustehen und Sicherheit herzustellen, so Kemmann. „Vertrauen ist das Fundament.“ Es gehe in den therapeutischen Gemeinschaften darum, Einfühlsamkeit zu zeigen und echte Beziehungen, echte Bindungen zu ermöglichen. Diesen Ansatz begründete der Psychologe auch theologisch: „Wir haben einen persönlichen Gott“, so Kemmann. „In dieser Beziehung dürfen wir neu anfangen – mit unseren Patienten auch.“

In einem von Michael Lenzen, Vorstand im Neuen Land (Hannover), moderierten Workshop ging es um die Umsetzung der Bindungsorientierung, etwa um die Frage, wie Gäste der ACL-Einrichtungen in christlichen Gemeinden Beziehungen aufbauen können. An dem Konzept will der ACL-Arbeitskreis „Bindung und Sucht“ weiterarbeiten.  Ziel sei es, Studierende für wissenschaftliche Arbeiten zur Praxis der ACL-Einrichtungen zu gewinnen, etwa im Rahmen von Bachelor- oder Masterarbeiten, so Lenzen.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Lebenshilfen ist ein freier Zusammenschluss von 42 Beratungs-, Therapie-, Seelsorgeeinrichtungen, Kliniken und Initiativen. Die Mitgliedswerke bietet christlich orientierte Lebenshilfe im Rahmen von Haus- und Therapiegemeinschaften oder Fachkliniken an – für Menschen in Lebenskrisen. Die ACL-Konferenz fand vom 5. bis 8. März 2026 mit 160 Teilnehmenden in Pracht im Westerwald statt.

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