
Der „Transparenz-Check Digitale Diskursräume“ der Landesmedienanstalten analysiert Online-Debatten unter journalistischen Inhalten.
Berlin (2mind) – Viele Menschen wünschen sich in sozialen Medien einen respektvollen Austausch, tatsächlich jedoch führen eine aggressive Grundstimmung und toxische Debatten zu kontroversen Themen oft zu Rückzug und Resignation. Das zeigt der aktuelle „Transparenz-Check Digitale Diskursräume“ der Landesmedienanstalten.
Die Studie verdeutlicht, dass sichtbare Moderation das Sicherheitsgefühl und die Qualität der Gespräche messbar verbessert, wenngleich Redaktionen häufig unter Ressourcenmangel leiden. Plattformen wie Facebook und X werden von den Nutzern als besonders problematisch wahrgenommen, während Instagram als konstruktiver gilt.
Die Diskursqualität in sozialen Medien wird laut der Studie sehr unterschiedlich wahrgenommen und variiert stark zwischen den einzelnen Plattformen:
- Instagram: Unter den befragten Experten gilt Instagram als die Plattform, auf der konstruktive Debatten derzeit am ehesten möglich sind.
- Facebook und Twitter/X: Diese beiden Plattformen werden als besonders problematisch wahrgenommen. Ehemalige Nutzende bewerten sie im Vergleich zu aktuellen Nutzenden als respektloser, künstlicher und unausgewogener.
- Sonderrolle von Facebook: Trotz der negativen Wahrnehmung bleibt Facebook die Plattform, auf der am häufigsten Kommentare unter journalistischen Beiträgen gelesen und verfasst werden. Gleichzeitig berichten Community-Manager hier von einer zunehmenden Resignation: Aufgrund des als zu toxisch empfundenen Tonfalls findet eine aktive Moderation häufig nicht mehr statt. Besonders bei polarisierenden Themen wie Klimaschutz, Migration oder Kriegen wird ein konstruktiver Austausch auf Plattformen wie Facebook als kaum noch möglich beschrieben.
- Bot-Aktivität: Interessanterweise zeigen sich bei der tatsächlichen Analyse von Bot-Kommentaren (etwa vier Prozent der untersuchten Kommentare) nur geringe Unterschiede zwischen den verschiedenen Plattformen. Dies steht im Gegensatz zur Wahrnehmung vieler Nutzender, die das Problem oft als wesentlich gravierender einschätzen.
Insgesamt wird die Debattenkultur auf sozialen Plattformen von vielen als schlecht eingestuft, wobei eine aggressive Stimmung oft dazu führt, dass sich Nutzende nicht an Diskussionen beteiligen.
Für den „Transparenz-Check Digitale Diskussionsräume“ ließen die Medienanstalten in der 2. Jahreshälfte 2025 Kommentar-Sektionen unter journalistischen Beiträgen auf Facebook, Instagram und YouTube untersuchen sowie Online-Interviews und Tiefeninterviews führen. Für die Bot-Analyse wurden Kommentare unter den Online-Ausgaben von „Bild“, „Spiegel“, „Süddeutscher Zeitung“ und „Die Zeit“ analysiert. Insgesamt wurden 9.418 Kommentare erfasst und davon 6.485 Kommentare für die Studie berücksichtigt.
Der > „Transparenzcheck Digitale Diskursräume“ als PDF zum Download
