
Das Whitepaper will einen ganzheitlichen Blick auf Responsible KI in den Medien schärfen.
Hamburg (2mind) – Der Einsatz von KI verändert den Journalismus grundlegend – sie greift ein in Recherche, Produktion und Distribution. Das könnte die Beziehungen der Journalisten zu ihrem Publikum porös werden lassen und zu Vertrauensverlusten führen. Mit dem Whitepaper „KI-Resilienz im Journalismus“ stellen sich die Kommunikationswissenschaftlern Leif Kramp und Stephan Weichert nach eigenen Worten der Herausforderung: „Wie bleibt Journalismus entscheidungssicher, zurechnungsfähig und glaubhaft in einer Kommunikations- und Medienumgebung, die zunehmend von KI geprägt ist?“
Aktuelle Anlässe dafür gibt es genug: Mitte Februar flossen KI-generierte Bilder ohne entsprechende Kennzeichnung in einen Beitrag des „heute journal“ zu Abschiebungen von Minderjährigen in den USA ein; die Redaktion entschuldigte sich. Anfang März veröffentlichte der „Spiegel“ in seiner Berichterstattung über den Iran ungekennzeichnet KI-generierte Bilder, die das Magazin über eine Bildagentur bezogen hatte; das Magazin entfernte die Bilder und entschuldigte sich.
Im Umgang mit KI komme der Journalismus mit Ge- und Verboten nicht weiter, so die Autoren des Whitepaper. Gefordert sei „der ganzheitlich-ethische, aber auch der psychosozial-organisationale Blick, was landläufig unter dem Schlagwort der Responsible AI verhandelt wird“. Dazu will sich der Text folgenden Fragen stellen:
- „Wie verändert KI die Atmosphäre in Redaktionen?
- Wie verändert sie Teamdynamik, Verantwortungslinien, Entscheidungsprozesse?
- Wie verändert sie das Verhältnis zu Quellen, Fehlern, zum Publikum?
- Wie wirkt KI auf die Öffentlichkeit, die der Journalismus mitgestalten will?
- Und: Wie sehr stärken oder schwächen KI-Anwendungen die digitale Souveränität?“
Dabei definiert das Whitepaper KI-Resilienz als professionelle Kernkompetenz anhand von drei Dimensionen:
- Vertrauen nicht voraussetzen, sondern aktiv aufbauen
- Verantwortung nicht delegieren, sondern klar verorten
- Beziehungen aktiv gestalten – zwischen Menschen, Medien und Maschinen
Für die Autoren der Studie geht es beim Umgang mit KI um die Zukunftsfähigkeit des Journalismus. „Wir erleben nichts weniger als eine digitale Zäsur, in der es längst nicht mehr um technische Evolution geht als vielmehr um die Gretchenfrage, ob sich journalistische Inhalte in den kommenden Jahren noch behaupten können, ob journalistische Arbeit überhaupt noch sichtbar bleibt und ob Menschen sie weiterhin zu schätzen wissen – und bereit sind, dafür zu bezahlen“, so Kramp und Weichert in dem Papier. Zielgruppe der Publikation sind Redaktionen und Medienschaffende ebenso wie Medienpolitiker und die Zivilgesellschaft. Herausgegeben wird es vom Vocer Institut für Digitale Resilienz, einem Projekt des Hamburger Vereins für Medien- und Journalismuskritik.
Das > Whitepaper „KI-Resilienz im Journalismus“ als PDF zum Download
