
Empfehlungsalgorithmen verschärfen das Problem.
Mainz (2mind) – Ein neuer Social-Media-Trend: Jugendliche kündigen ihren Suizid mit einem konkreten Datum an – leicht auffindbar im Internet. In den Kommentarspalten posten weitere Jugendliche ebenfalls ein Datum für die geplante Selbsttötung. „Dies kann den Druck zur Nachahmung erhöhen und Hemmschwellen senken“, heißt es im aktuellen Report „Suizidale Inhalte im Netz“ von Jugendschutz.net.
Der Großteil dieser Posts ist nicht konkret genug, um eine polizeiliche Intervention zu rechtfertigen. Die Autoren sehen die Gefahr, „dass in der Masse der unkonkreten Beiträge ernst gemeinte Suizidankündigungen untergehen.“
Für entsprechende Posts etwa auf TikTok werden etablierte Akronyme genutzt: #sm („Selbstmord“), #smg („Selbstmordgedanken“), #kms („kill myself“), #kys („kill yourself“), #smv („Selbstmordversuch“) sowie #idwtba („I don´t want to be alive“) und #iwtd („I want to die“). Für gesperrte Begriffe werden häufig Alternativen verwendet: statt dem Hashtag #suicide etwa #sewerslide oder #se-wersl1de.
Eine potenzielle Gefahr sehen die Autoren in der Funktionsweise der Empfehlungsalgorithmen: „Wer einmal gezielt nach traurigen Inhalten oder sogenannten „SadTok“-Videos sucht, bekommt vom Algorithmus prompt weiter vergleichbaren Content ausgespielt.“ Das könne psychische Krisen verstärken.
Die Studienautoren verweisen auf die gesetzliche Verpflichtung der Betreiber von Social-Media-Plattformen, „geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um Kindern und Jugendlichen eine sichere und altersgerechte Teilhabe zu ermöglichen. Wirksame Schutzkonzepte reduzieren belastende Inhalte und ermöglichen im Notfall schnelle Hilfe.“
- net (2026): Report Suizidale Inhalte im Netz. Aktuelle Trends und Herausforderungen für den Jugendmedienschutz. Mainz (Open Access)
