Wie sterben obdachlose Menschen?

Obdachloser Mann vor einem Restaurant (Foto: Achim Halfmann / Orientierungslust)

Ein würdiges Sterben und Verabschieden gewährleisten für Menschen, die wir nicht retten können

Köln (2mind) – Lothar, ein langjährig Obdachloser, wurde morgens tot unter seiner blauen Plane entdeckt. Martin starb mit Mitte dreißig in seinem Rollstuhl in einer dunklen Ecke nahe dem Kölner Hauptbahnhof. Der 21-jährige Drogen konsumierende Max starb in einer Notschlafstelle unerwartet an seinem Erbrochenen. In einer Krankenwohnung erlebte die an Krebs erkrankte Ornella ihre letzten Tage.

Über diese Schicksale berichtet Matthias Schnegg, Pfarrer im Ruhestand, der seit über zwanzig Jahren in einer Kölner Notschlafstelle für obdachlose Drogenabhängige mitarbeitet. „Drogenabhängige Obdachlose schleppen sich mit mir unvorstellbaren offenen Wunden und Abszessen, mit hohem Fieber geplagt, auf die Straße, weil der Suchtdruck sie zwingt – teils trotz Substitution mit Ersatzmedikamenten“, so Schnegg in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Leidfaden“.

Manche obdachlosen Menschen wollten auf der Straße sterben, so der Geistliche. „Deren Lebensschicksal macht ihnen einen Aufenthalt in geschützten Räumen unmöglich.“ Mit einer Krankenwohnung bietet die Stadt Köln Obdachlosen, die Hilfe annehmen können, einen Schutzraum und elementare Versorgungsmöglichkeiten. Die katholische Pace e Bene-Stiftung finanziert für sterbende Obdachlose Plätze in Hospizeinrichtungen. In der Diskussion seien eine Alten-WG für obdachlose Drogenabhängige sowie die Einrichtung eines Hospizes für Obdachlose.

Eine Initiative der Obdachlosenseelsorge unterhält ein Gräberfeld für obdachlos Verstorbene. Bei Todesfällen in den Notschlafstellen gibt es Riten der Verabschiedung. „Für uns bekannte Übernachter und Übernachterinnen der Notschlafstelle wird in eigenen Feiern der Toten gedacht“, so Schnegg weiter. Und es gäbe Mitmenschen, die bei den Beisetzungen diesen Verstorbenen die letzte Ehre erweisen.

Menschen leben und sterben auf der Straße. „Wir können und konnten sie nicht retten. Wir können sie lieben – indem wir sie nicht übersehen, sie in ihrer Würde bewahren helfen, weiter kreativ an Möglichkeiten arbeiten, ein würdiges Sterben und Verabschieden zu gewährleisten“, schreibt Schnegg.

Matthias Schnegg (2026). Die Straße und der Tod. In: Leidfaden. Heft 2, Juni 2026, S. 71-73

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